Venedigerhöhle im Fichtelgebirge

Venediger, Walen,
Welsche und Zwerge

Sagenhafte Gestalten, die in den
Bergen nach Mineralien suchten

Venedigerhöhle im Fichtelgebirge

Fährt man den Fahrradweg von  Bischofsgrün hinab nach Röhrenhof und  Bad Berneck, liegt rechts am Hang die Venedigerhöhle.

Im Fichtelgebirge herrschte im Mittelalter ein reger Bergbau, um Bischofsgrün vor allem auf Zinnerz. Immer wieder durchstreiften Prospektoren die Gegend und wo sie eine erfolgversprechende Stelle mit einer Quarzader oder Pegmatiten fanden, fingen sie an zu graben, in der Hoffnung, wertvolle Mineralien zu finden.

Die geheimnisvollsten unter diesen Mineraliensuchern waren die Venediger. Für die Glasherstellung in Venedig brauchte man Mineralien als Zuschlagstoffe, die es in Italien nicht gab. Am beanntesten wurde sicher das Kobalt, mit dessen Hilfe man Glas blau färben konnte. Man fand es vor allem im Erzgebirge in der Gegend um Schneeberg und Freiberg. Aber auch Mangan war begehrt, sorgte es doch als Zuschlagstoff dafür, trübes Glas klar zu machen. So konnte man in Venedig Spiegel von einer Reinheit herstellen, wie sie sonst nirgends auf der Welt erreicht wurde.

Da Erze wie Kobalt und Mangan für uneingeweihte sehr unscheinbar aussehen, begriffen die Menschen nicht, wonach diese Venediger eigentlich suchten. Ihr Geheimnis, wofür diese Stoffe gut waren, gaben sie natürlich auch nicht preis. So kam es, dass diese abenteuerlichen Gesellen in unsere Legenden- und Sagenwelt eingingen.
Venedigerhöhle bei Bischofsgrün im Fichtelgebirge

Zwerge

Man sagt, die Venediger waren kleinwüchsig, was beim Herumkriechen in Spalten und Bergwerksstollen sicher von Vorteil war. Aber wenn man sich umschaut, stellt man fest: So viele Kleinwüchsige, die man tatsächlich als Zwerge bezeichnen könnte gibt es doch garnicht. Extremer Kleinwuchs ist definitionsgemäß eine Körpergröße von unter 130 cm. Früher bezeichnete man diese Menschen als Liliputaner, sprach von Zwergwuchs oder Nanosomie, was heute als abwertend und beleidigend betrachtet wird. In den Märchen der Gebrüder Grimm tauchen sie als Zwerge auf, die in den Bergen nach Schätzen schürfen, in Gullivers Reisen von Jonathan Swift gibt es gar eine ganze Insel mit winzigen Menschen und auch bei J. R. R. Tolkiens  Der Herr der Ringe sind es Zwerge, die in den Minen von Moria nach dem Metall Mithril suchen. Das gehört zwar alles in den Bereich von Märchen und Legenden, Mythen und Sagen, aber auch diese haben meist einen wahren Kern.

Es gibt viele sehr sachliche Berichte aus alten Zeiten über Venediger und Wahlen, wo sie oft als Menschen mit extremem Minderwuchs beschrieben werden. Obwohl Italiener grundsätzlich etwas kleiner sind als Mitteleuropäer, reicht das nicht als Erklärung. Dass es im Mittelalter viele Kleinwüchsige Menschen gab und auch durchschnittlich große Leute kleiner waren als wir heute, liegt auch nicht daran, dass sich das Erbgut in dieser Zeit verändert hätte. Die Ursache ist, dass Kinder oft schon ab dem zehnten Lebensjahr zu schwerer körperlicher Arbeit eingesetzt wurden, ob im Bergwerk oder in der Landwirtschaft. Diese schwere körperliche Arbeit in der wichtigen Wachstumsphase, noch dazu bei oft unzulänglicher Ernährung mit Mangelerscheinungen führte zu häufigem Minderwuchs. Auch Krankheiten im Kindesalter oder Erkrankungen der Mutter während der Schwangerschaft haben dies bewirkt.
Welschenhöhle im Fichtelgebirge In der Sagenwelt des Fichtelgebirges finden wir die Venediger auch als Walen oder Welsche. In der Literatur findet man unter dem Oberbegriff Walen nicht nur Venediger, sondern auch Wenden oder  Kelten.

Viele versuchten, es ihnen nachzumachen und dachten, man bräuchte nur ein bisschen zu suchen und wird reich. Wie viele damit kein Glück hatten und im damals hier herrschenden Urwald verhungerten oder im Winter erfroren, möchte ich garnicht wissen.

Nur wer schlau war, überlebte trotzdem. Hatte er keinen Erfolg, erstellte mancher Venediger ein sogenanntes Walenbüchlein mit geheimnisvollen, möglichst ungenauen Beschreibungen von Fundorten, und verkaufte es an Abenteuerlustige, die meinten, damit ihr Glück zu machen.
Walenhöhle im Fichtelgebirge In Bischofsgrün gibt es die
Sage oder Legende vom einäugigen Venediger:

Er wohnte bei einem Bauern am Ortsrand und verbot den Menschen zu seiner Arbeitsstätte zu gehen. Nur dem Sohn des Bauern gestattete er, ihm zu helfen. Da der Venediger bei der Arbeit immer vom warmen sonnigen Süden erzählte, wollte der Bauernsohn ihn dorthin begleiten. Dessen älterer Bruder hatte aber gelauscht und folgte den beiden. Eines Tages verneigte sich der Venediger gen Süden und murmelte unverständliche Worte. Daraufhin schloss sich der Bergwerkseingang und ein gewaltiger Sturm fegte beide von dannen. Der große Bruder warf ihnen eine Sichel nach, die er zufällig dabeihatte, konnte sie aber nicht aufhalten. Sein kleiner Bruder blieb verschwunden, bis nach langer Zeit, als er längst selbst der Bauer auf dem Hof war, ein vornehmer einäugiger Herr zu Besuch kam. Es stellte sich heraus, dass es der verlorene Bruder war, der in Italien sein Glück gemacht hatte. Auf die Frage, wie er denn sein Auge verloren hätte, antwortete er: »Das hast du mir mit der Sichel ausgeworfen, als wir davonflogen!« Die zwei Brüder verließen gemeinsam die kalte unwirtliche Heimat und lebten im warmen Süden glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind...
Pegmatitgang, Quarzgang im Granit Nach einer anderen Sage wurde ein Bischofsgrüner von einem Venediger mit Gold belohnt, obwohl dieser ihm aus Versehen und im Rausch ein Auge ausgeworfen hatte.
Mineralien im Fichtelgebirge Mineraliensucher folgen meist Spalten im Gestein, sogenannten Pegmatitgängen oder Quarzgängen.

Dieser hier scheint kein Glück gehabt zu haben, denn der Bergwerksstollen endet nach wenigen Metern.
Eingang zum unterirdischen Zwergenreich Einen Eingang zum unterirdischen Zwergenreich findet man zwischen dem Schneeberg und dem Rudolfstein im Fichtelgebirge. Hier führt eine Tür in Zwergengröße in einen Felsen. Kriechen Sie mal hinein!

 Erklärung
Fahrradweg von Röhrenhof nach Bischofsgrün Der Fahrradweg von Röhrenhof nach Bischofsgrün folgt der stillgelegten Bahnstrecke.








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