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Hungerjahre
durch das Jahr ohne Sommer 1816

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1816, das Jahr ohne Sommer,
Klimageschichte unserer Heimat

von Erwin Purucker
Heute, im Jahr 2016, leben wir im Känozoischen Eiszeitalter. Glauben Sie nicht? Ist die Eiszeit nicht längst vorbei? Was wir gemeinhin als "Eiszeit" kennen, war erdgeschichtlich eine Kaltzeit (die Würm-Kaltzeit), und wir leben in einer Warmzeit dieses Eiszeitalters. Es wird erst zu Ende sein, wenn keiner der beiden Erd-Pole mehr vergletschert ist. Auch mit unseren Treibhausgasen wird das noch viele Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende dauern.

Als vor 10 000 Jahren diese "unsere" Würm-Eiszeit zu Ende ging und die Menschen sich in der neolithischen Revolution von Jägern und Sammlern zu sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern entwickelten, war das Fichtelgebirge noch wüst und menschenleer. Höchstens ein paar durchziehende Familien auf der Suche nach Siedlungsland hinterließen karge Spuren. Im Winter suchten sie sich angenehmere Gegenden.

Das änderte sich schlagartig, als im Mittelalter bei uns im Fichtelgebirge, wie auch im Erzgebirge, der Bergbau auf Zinn, Eisen und viele andere Bodenschätze einsetzte. Nicht nur die Bergleute arbeiteten in ihren Stollen, auch Hochöfen und Hammerwerke mussten gebaut und betrieben werden. Die Nachfrage nach Lebensmitteln stieg, und begünstigt durch warmes Klima erlebte die Landwirtschaft einen Boom. Der Holzbedarf der Eisenverarbeitung schuf kahle Flächen und die Bauern nutzten die Rodungsflächen für die Landwirtschaft. Begünstigt durch die Mittelalterliche Warmzeit brachten die Felder auch bei uns gute Erträge. Dass man die Zeit das "dunkle Mittelalter" nennt, liegt nämlich nicht am Klima, das war ausgesprochen angenehm, sondern an den Menschen. Waffengewalt, Kriege, Leibeigenschaft, überzogene Frondienste und die Ketzerverfolgungen der Inquisition verliehen den Jahrhunderten diese Bezeichnung.

Durch das günstige Klima vermehrten sich die Menschen in Europa trotzdem, was vor allem in großen Städten mit ihren engen Wohnverhältnissen die Ausbreitung von Seuchen begünstigte. Die Pest zog übers Land und erreichte im 14. Jahrhundert auch unsere Gegend. Kriegerische Horden wie die Hussiten setzten den Überlebenden zu und zum Beginn der Neuzeit brachte der Dreißigjährige Krieg den Tiefpunkt der Tragödie.

Als wäre das alles noch nicht genug, setzte schon ab dem 15. Jahrhundert allmählich eine schleichende Entwicklung ein: Es wurde kälter! Die Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, die wir heute als die Kleine Eiszeit bezeichnen, bestand aus mehreren jahrzehntelangen Kälteanomalien und hatte keine Vergletscherungen zur Folge, dazu war die Zeit zu kurz und die Abkühlung zu schwach. Als Ursachen dieser Kälteeinbrüche nimmt man eine verringerte Sonnenaktivität, vermehrten Staubgehalt in der Atmosphäre durch Vulkanismus, Verringerung des Golfstromes und sogar Schwankungen der Erdumlaufbahn an. Welcher Faktor wie viel beigetragen hat, ist umstritten.

Die Haupt-Folge war eine Verringerung der Nahrungsmittelproduktion mit Hungersnöten in den unteren Bevölkerungsschichten. Als Anfang des 19. Jahrhunderts die Temperaturen langsam wieder stiegen und Napoleon uns von Preußen zu Bayern gemacht hatte, folgte im Jahr 1816 ein weiterer abschließender klimatischer Paukenschlag:

Ein von Harald Stark übertragener Auszug aus dem Marcks Buch deß Marcks Leuthen, angefangen im Jahr 1647, enthält darüber einen Bericht von Friedrich Theodor Ruckdeschel, dem Bürgermeister um 1816:

Er berichtet, dass der von Kaiser Napoleon Bonaparte entfachte jahrelange Krieg zwar viele Belastungen durch umherziehende Kriegs-Heere, Einquartierungen, Requisitionen und Contributionen brachte. Da die üppig segensvolle Natur jedoch während der ganzen Dauer dieses verheerenden Krieges ihr Füllhorn über die Erde ausgoss, konnte man alle auch noch so gebieterischen Forderungen der Krieger befriedigen. Nach Kriegsende 1815 hoffte man trotz der aufgezehrten Vorräte wieder glücklichere und frohere Tage zu genießen.

Aber die Millionen, welche zuletzt auf dem Schauplatze erschienen, hatten im gleichen Grade die Consantion [Nachfrage] vermehrt und die Produktion vermindert, weshalb nun die größte aller Plagen erschien, die noch nie erhörte Teuerung aller Produkte, denn das Jahr 1816 war allenthalben ein vollkommenes Miß-Wachs-Jahr. Anhaltender Regen, entbehrter Sonnenschein, die man dies ganze Frühjahr und Sommer durch missen musste, ließen freilich eine schlechte Ernte im voraus sehen.

Die Befruchtung von Blumenstaub [Blütenstaub] fand nur spärlich statt, und so kam es, dass die meisten Ähren taub auf den Halmen standen und der ununterbrochene Regen erzeugte mehr Gras als Getreide. Auch wurde das Futter auf tiefliegenden Wiesen ganz ersäuft und überschleimt und es war für Mensch und Vieh nichts als Elend zu gewärtigen. Schon vor der Ernte im Jahr 1816 fingen die Getreide-Preise überall zu steigen an. Für einen Bayrischen Scheffel (222 Liter) Korn (Roggen) von

  • 16 fl. rh. (Rheinische Gulden) im Mai auf
  • 17 fl. im Juni,
  • 30 fl. im September
  • 36 fl. Im April 1817
Ähnliche Verhältnisse herrschten bei Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, und in der Folge auch bei Brot, Semmeln und Bier. Polizey-Taxe und der Bauer und überhaupt die Wucherer trieben die Preise noch höher, berichtet Bürgermeister Ruckdeschel. Zwar konnte Getreide aus Preußen, Polen und Russland herbeigeschafft werden, und allein das Sechsämterland soll 300.000 Gulden für importiertes Getreide aufgebracht haben,1 aber durch die theure Fracht musste der Mittel Mann zusetzen und die Armen konnten nichts kaufen. In vielen nahgelegenen Orten verhungerten mehrere Menschen, weil sie nichts mehr zu leben hatten und oft nur froh waren, wenn sie unterm Kehricht Erdäpfelschalen oder sonst dergleichen Abgänge heraus lesen und zum Mund bringen konnten. … Stöcke, die nur haselnussgroße Erdäpfel hatten, wurden herausgerissen, so dass man gezwungen war, Flurwachen, welche Tag und Nacht aus 6 bis 8 Mann bestehend patroullieren mussten, anzuwerben.

Bei einer solch elenden Kost konnte es nicht anders sein, als dass viele solcher Menschen erkrankten, sie geschwollen am ganzen Leibe, oder gingen sonst als Schattenbilder herum, doch war es Gott sey Dank hier im hiesigen Markte der Fall nicht. Ruckdeschel beschreibt also ein apokalyptisches Szenarium, schränkt aber sofort ein, dass es offenbar in unserer Stadt nicht der Fall war!

Im April 1815 brach weit entfernt in Indonesien der Vulkan Tambora aus. Dabei verlor der ca. 4000 m hohe Berg gut die Hälfte seiner Gesteinsmasse. Der Ausbruch übertraf sogar den des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus. Der amerikanische Klimaforscher William Jackson Humphrey sah ab 1920 diesen Ausbruch als Ursache für die Missernten. Durch die Eruptionen wurde feine Vulkanasche in die hohe Atmosphäre transportiert, die sich zeitverzögert über die gesamte Nordhalbkugel verbreitete.2 Die Folgen spürten vor allem Nordamerika und Mitteleuropa in Form verringerter Sonneneinstrahlung und großflächigen Unwetterereignissen. Missernten und ein Einbruch der Nahrungsmittelproduktion waren die Folgen. Die Lebensmittelpreise explodierten. So kam es, dass vor allem das folgende Jahr als das Hungerjahr 1816 in Erinnerung blieb und der lange darauffolgende Winter als Hungerwinter Achtzehnhundertundzutodegefroren.

Vergleicht man Tabellen mit gemessenen Jahresdurchschnittstemperaturen, Baumringdiagramme und Daten von Eisbohrkernen, die mittels Schwefeleinlagerungen Vulkanausbrüche zeigen, fallen viele Widersprüche auf. Nach einer Tabelle der mittleren Monatstemperaturen für Bayreuth lagen im Jahr 1916 die Sommertemperaturen ca. 2° Celsius unter dem 20-Jahre-Durchschnitt3, gemessen allerdings mit Thermometern mit ±1° Ungenauigkeit. Obwohl nach Berichten auch und besonders in Nordamerika ein kalter Sommer die Ernten vernichtete, findet man in überregionalen Temperaturdiagrammen der Nordhalbkugel oft keine signifikante Temperaturänderung ab 1816. Da gut 20 Jahre später, 1838, die Durchschnittstemperaturen nach manchen Aufzeichnungen noch niedriger lagen,4 ohne große Hungersnöte zu verursachen, könnte man annehmen, dass weniger die reduzierte Temperatur, als vielmehr die Abschirmung des für die Photosynthese wichtigen kurzwelligen Sonnenlichts durch den Vulkanstaub in der Atmosphäre die größere Rolle für die gravierende Reduzierung des Pflanzenwachstums spielte.

Als einzig völlig objektives aktuelles Kriterium müsste die Baumringbreite, also der Holzzuwachs im jeweiligen Jahr bei heute gefällten Bäumen für 1816 einen deutlichen Einbruch zeigen. Als lichthungrige Baumart müssten die Eichen dem Wachstum der Feldfrüchte dabei am nächsten kommen. Die Traubeneiche zeigt zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen schon ab der Jahrhundertwende ein reduziertes Wachstum, aber einen sprunghaften Anstieg ab 1815/16! Für diesen Wachstumsschub bei Bäumen könnte ein Dünge-Effekt durch die fruchtbare Vulkanasche verantwortlich sein, der bei Feldfrüchten die gegenteilige Wirkung zeigte: In Verbindung mit einem offenbar niederschlagsreichem Jahr wurden diese möglicherweise von Algen, Flechten, Moosen und Fäulnis behindert, die sich in der feuchten Vulkanasche schlagartig ausbreiteten, weshalb Bürgermeister Ruckdeschel auch von überschleimten Wiesen und schleimigem Futter berichtet. Ein Vergleich mit den zehn biblischen Plagen in Ägypten, verursacht wahrscheinlich durch den Vulkanausbruch auf der Insel Santorin, drängt sich auf.

Dass es in vielen Gegenden Missernten in diesem Jahr gab, ist durch unabhängige Berichte aus verschiedenen Regionen erwiesen. Durch geeignete Verteilung der Lebensmittel hätte dadurch aber niemand verhungern müssen. Die Vorratshaltung, besonders für die Städte, war auch damals schon recht gut staatlich geregelt. Auch den Tambora-Ausbruch allein dafür verantwortlich zu machen, ist zu einfach. Die Temperaturverläufe für Berlin, Karlsruhe, Paris, Mailand, Greenwich und andere Städte zeigen zum Beispiel deutlich fünf kalte Sommer ab 1812, also drei Jahre vor dem Ausbruch!2

Als Zusammenfassung bleibt nur, den starken Anstieg der Nahrungsmittelpreise und den Hunger
auf mehrere ungünstig zusammentreffende Faktoren zurückzuführen:


Durch die vorangegangenen Napoleonischen Kriege waren die Nahrungsmittel-Vorräte aufgebraucht und die Infrastruktur und Verwaltung Mitteleuropas geschwächt. Aus einem ähnlichen Grund hat sich die Kleine Eiszeit im 17. Jahrhundert besonders schwer ausgewirkt, weil Europa durch den vorangegangenen Dreißigjährigen Krieg stark geschwächt war.

Und Missernten durch feucht-kalte Witterung erzeugen bei knappem Angebot und aufgebrauchten Vorräten eben auch

  • Hamsterkäufe von denen, die Geld haben,
  • Panikkäufe von denen, die Angst haben,
  • Zweckpessimismus und Verbergen von Vorräten bei denen,
    die nichts hergeben wollen oder auf zusätzliche Hilfe von außen hoffen,
  • Spekulationskäufe von rücksichtslosen Händlern und Glücksrittern.
Erst dadurch wurde die zweifellos schlechte Lage dramatisch verschärft und die Erhebung der Ernteerträge durch die Kreisregierungen möglicherweise verfälscht. Deswegen wurde ein Mangeljahr zu einer Katastrophe und deswegen war diese Hungersnot nicht ausschließlich naturgemacht, sondern vor allem auch menschengemacht. Die katastrophale Situation war nicht nur ein Mengenproblem, sondern auch und vor allem ein Verteilungsproblem, ein soziales Problem, die gleiche Misere, wie sie sich heute in vielen Staaten Afrikas zeigt, das mengenmäßig mehr als seine gesamte Bevölkerung versorgen könnte. Am stärksten zu leiden hatten und haben wie immer die Armen und deren Kinder.

Die teilweise paradoxen Verhältnisse erkennt man an einem Beispiel in Regensburg am 8. Juli 1817: Getreide kommt von den Bauern auf dem Land. An diesem Tag aber brachen in Regensburg nach größten Theils überstandenem Leiden … grobe Gewaltthätigkeiten aus, weil die Landbevölkerung versucht hatte, Brot in der Stadt zu kaufen. Offenbar hat man die Landbevölkerung gezwungen, Getreide zu verbilligten Preisen an die Stadt abzugeben, um die dortige Bevölkerung zu versorgen, weshalb das Brot in der Stadt billiger war als auf dem Land! Man hatte Angst vor Unruhen und subventionierte sogar das Brot in der Stadt.5 Die Grenzen zwischen erforderlicher Machtausübung und Machtmissbrauch waren schon immer schwer zu ziehen.

Im Jahr 1816 führt der Finanzdirektor des Regenkreises die Getreide-Teuerung neben der schlechten Ernte ebenfalls auf die wirtschaftliche Erschöpfung nach den Kriegen zurück. Er schreibt, dass auch im Dezember 1816 noch kein Mangel auf den Märkten festzustellen ist.6 Im Herbst 1817, als die Lebensmittelpreise noch genau so hoch waren wie im Jahr zuvor, schrieb der kritische Schriftsteller Franz von Spaun, dass die Teuerung keine Folge von Mangel oder Missernten war, die Ernte im aktuellen Jahr sogar die beste seit langem. In der Veröffentlichung eines M.R. aus München ist zu lesen, dass wir noch immer keine wahre Noth haben, sondern eine künstlich erzeugte Wucher-Theuerung.7

Bei uns im Fichtelgebirge scheint im Herbst 1817 das Schlimmste überstanden zu sein. Der Marktleuthener Bürgermeister Ruckdeschel berichtet, dass im Markt acht Hauptarme unterstützt werden mussten und weiterhin: Rind Vieh litt in diesem Jahr wegen des schlechten schleimigen Futters [vom Vorjahr] an der Lungenfäule, und obgleich bei uns mehrere dergleichen Stück geschlachtet werden mussten, so wurde doch das Übel nicht epidemisch, sondern zeigte sich immer nur einzeln. … So zeigte sich am 14. August 1817 für uns der Hoffnungs-Strahl. Nämlich an diesem Tage nachmittags sammelte auf seinem Feld in der oberen Loh der hiesige Metzgermeister Johann Georg Kischpert das erste Fuder Gerste, und es wurde beschlossen, dieses erste Fuder "Gedraidt" zur Ehr und Preiß des Allerhöchsten unter abwechselnder Vocal- und Instrumentalmusik festlich zu empfangen.

Dass die Verwaltungen der Städte und Regionen es nicht schafften, durch Vorratshaltung und Ausgleich solche Miseren zu verhindern, war sicher auch mit ein Anlass für die Sozialrevolutionen des 19. Jahrhunderts, eine erste von vielen Auswanderungs-Wellen, bis hin zu antisemitischer Hetze. Die Juden, als geschickte Händler, profitierten mancherorts von der Krise und wurden als Kornjuden und jüdische Wucherer beschimpft, die das Korn auf Theuerung liegen lassen, und einen übermäßigen Gewinn damit sich zu verschaffen trachten8 oder Schlagworte wie der Jude habe während der Hungerjahre die Gunst der Zeit genutzt.9 So kam es 1819 zu den bekannten Hep-Hep-Unruhen in Würzburg und vielen anderen Städten, bei denen auch schon Synagogen, Geschäfte und Wohnungen von Juden zerstört wurden.

Vulkane schrieben zu allen Zeiten auch Geschichte: Schon 33 Jahre vorher brachte der Ausbruch des isländischen Vulkans Laki, der aus einer ganzen Reihe von Kratern besteht, Missernten und Hungersnöte über Europa. Der Laki war ganze 8 Monate aktiv und die Aschewolken des Ausbruchs zogen über Mitteleuropa. Er stieß geschätzte 100 Millionen Tonnen giftiges Schwefeldioxid aus und spuckte 13 km³ Lava. Das Schwefeldioxid vergiftete die Feldfrüchte und in der Folge auch Menschen und Tiere. Man geht davon aus, dass an den Folgen 2 Millionen Menschen starben. Die dadurch ausgelösten sozialen Verwerfungen waren sicher ein Mit-Auslöser der Französischen Revolution. Viel bekannter ist ein weit zurückliegender Vulkanausbruch: Am 24. August des Jahres 79 nach Christus begrub der Vesuv die Städte Pompeji, Herculaneum, Oplontis und Stabiae unter Aschemassen. Pyroklastische Ströme, die aus schnell fließenden glühenden Aschewolken bestehen verbrannten die Menschen am Golf von Neapel. Für die Historiker ein Glücksfall: Finden wir doch dort die besterhaltenen römischen Artefakte. Wären sie nicht meterhoch von den Ascheschichten überdeckt und damit konserviert worden, wären die Fresken, durch die wir unübertreffliche Informationen über das Leben der alten Römer erhalten, längst der Witterung und dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ( Der Vesuv, Pompeji und der Golf von Neapel). In naher Vergangenheit ist den meisten von uns wohl noch der Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island in Erinnerung, der im Jahr 2010 mit seinen Aschewolken europaweit für Beeinträchtigungen des Luftverkehrs sorgte. Unter den Gletschern Islands lauern aber noch viel größere Gefahren und Energien, wie zum Beispiel die Krater des Katla, die in der Vergangenheit alle 40 bis 80 Jahre ausbrachen. Der letzte Ausbruch war 1918. Sie sind also längst überfällig. Und: Je länger es dauert, um so mehr Energie kann sich aufbauen!

Dass wir in Mitteleuropa im 21. Jahrhundert auf über 60 Jahre satten Wohlstand zurückblicken können, sollten wir nicht als selbstverständlich hinnehmen, und glauben, das Gespenst des Hungers sei damit automatisch und endgültig vertrieben. Uns Krieg, Katastrophen und Hunger vom Leib zu halten, verlangt auch in Zukunft Wachsamkeit und vorausschauendes und besonnenes Handeln. Volle Regale in den Supermärkten sollten uns nicht die Bauern vergessen lassen, die mit lächerlich niedrigen Erzeugerpreisen zu immer intensiverer und industrialisierter Landwirtschaft gezwungen werden, was eine Ausbeutung unserer Natur zur Folge hat. Wo wird es hinführen, dass wir inzwischen Nahrungsmittel zu Biosprit vergären, bei einer Weltbevölkerung, die pro Jahr um über 70 Millionen Menschen zunimmt?

Zur Erinnerung und Mahnung an das Hungerjahr wurden unter anderem Schraubtaler hergestellt. Dabei handelt es sich um Medaillen aus zwei dünnen Teilen, die mit einem Gewinde verbunden sind. Im Innern findet man Texte und Bilder auf den Innenseiten der beiden Teile und auf eingelegten Trägern aus Papier, Pergament oder sogar Glas. Solche Schraubmünzen sind schon seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Hergestellt wurden sie vor allem in Bayern und Österreich (Nürnberg, Augsburg, Wien). Schraubtaler oder Schraubmedaille zum Hungerjahr 1816
Hier eine Abbildung und ein Text aus einem Schraubtaler aus Zinn mit Einlagen aus Papier, ausgestellt im Wasserschloss Glatt, 2010. Foto: Rainer Halama, Creative-Commons-Lizenz.
In Bezug auf das Jahr ohne Sommer 1816
enthält er unter anderem folgenden Text:

Furchtbar rollte der
Donner über den Häuptern
der Menschen; fast jede Wolke
erzeugte vernichtende Blitze:
auch hier nimmt er seinen Lauf
auf eine friedliche Hütte, und
angstvoll fliehen Menschen u.
Vieh ob des gewaltigen Donners.
Das Jahr ohne Sommer 1816



1 Gerhard Seidel in "Unser Fichtelgebirge" Band 4
2 Paul Dostal, Uni Freiburg, Klimarekonstruktion der Regio TriRhena
3 Gerald Müller, Hunger in Bayern 1816 - 1818, Seite 12
4 Wolfgang Rammacher, 1816 - Das Jahr ohne Sommer
5 Gerald Müller, Hunger in Bayern 1816 - 1818, Seite 122
6 Albrecht Ludwig von Seutter, Regensburg: Über die allgemeine Getreide-Theuerung im Jahre 1816
7 Gerald Müller, Hunger in Bayern 1816 - 1818, Seite 42
8 Johann Baptist Anzmann: Über den Wucher und Mittel gegen denselben (schon 1793)
9 August Häusler: Die Teuerung von 1817








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