Bilder und Reiseberichte

von Erwin Purucker

Marktleuthen im Fichtelgebirge

Fotos und Informationen

Marktleuthen Fichtelgebirge
Zugehörige Dörfer (Ortsteile) Arbeitskreis für Heimatforschung
Marktleuthener Bildergalerie Singgemeinschaft Marktleuthen

Die Stadt mit ca. 4000 Einwohnern liegt in der Nordostecke Bayerns, in  Oberfranken, in der Mittelgebirgslandschaft des  Fichtelgebirges ca. 550 m über dem Meeresspiegel an der noch jungen  Eger. Der Fluß entspringt am Hang des Schneeberges, verläßt bei Hohenberg Deutschland und mündet in  Tschechien in die Elbe. Marktleuthen im Fichtelgebirge

Panorama der Stadt Marktleuthen

Altstadt Marktleuthens

Marktleuthen, gesehen vom Galgenberg
Marktleuthen, gesehen vom Galgenberg
Die ersten Siedler hier waren vermutlich Slawen, die ca. 600 n. Chr. die Flüsse aufwärts wanderten und im inneren Fichtelgebirge nach Zinn suchten. Sie nannten die Siedlung "Leuken", was "Brunnen" bedeutet.

Marktleuthen, historische Altstadt
Marktleuthen, Altstadt
Die "Egerer Forstordnung" von 1379 vermerkt: "Das Dorf Leuken, da saß vor alters nicht mehr denn ein Pfarrer und ein Jäger und ein Fischer." Erstmals urkundlich erwähnt wurde Marktleuthen als das "Dorf zu Leuken" im Jahr 1314, als es von Heinrich dem Älteren, Vogt von Plauen, dem Kloster Waldsassen übereignet wurde. 1354 erwarb Albrecht Nothaft zu Thierstein die Siedlung und erweiterte sie um 24 Höfe und Herbergen, eine Mühle und 15 Pechöfen. Eine weitere Vergrößerung erfuhr der Ort 1429 durch die Einverleibung des nahegelegenen Dorfes Rohrsbach.

Nach dem ersten großen Stadtbrand am 19. März 1577, der durch "Unachtsamkeit beim Fässerpichen" entstand, berichtet ein Chronist aus Eger, daß dem Brand "65 Häuser, 9 Städel und eine Person" zum Opfer fielen.
Friedhofsgebäude, Kriegerdenkmal, Gräber
Marktleuthen, Friedhofsgebäude, Kriegerdenkmal, Gräber


Eine harte Zeit war das 17. Jahrhundert. Der dreißigjährige Krieg hatte seine Auswirkungen mit Einquartierungen, Kriegszahlungen und Plünderungen durch verschiedene "Heerhaufen". Doch damit
Teufelsstein
Marktleuthen, "Teufelsstein"
nicht genug, brach am 4. April 1641 durch "Leichtsinnigkeit von Soldaten" eine Feuersbrunst aus, die den Markt mit Kirche, Rathaus, Schule, 71 Wohngebäuden und 39 Scheunen einäscherte und nur 8 Häuser verschonte.

Ein halbes Jahrhundert später kam der nächste Schicksalsschlag. In einem Bericht ist zu lesen:
"Am 16. August 1691, während man in der Kirche gerade das Lied An den Wasserflüssen Babylons sang, (Bibel, 137. Psalm) schlug ein zorniges Donnerwetter in einen Vogelbeerbaum. Der Brand vernichtete 14 Häuser und 10 Städel."

Die Altstadt, wie sie heute zu sehen ist,
wurde größtenteils in den Jahren nach
dem letzten großen Brand am 20. September 1843 erbaut.
Sie besteht aus wuchtigen Bürgerhäusern,
wie sie für das 19. Jahrhundert in unserer Gegend
typisch sind. Sie gruppieren sich schutzsuchend um die
Kirche und das Rathaus wie die Schalen einer Zwiebel.
Marktleuthen, historische Altstadt

Gasthof "Zur Post" Trotz der schon vorhandenen Eisenbahn verkehrten bis ca. 1920 regelmäßig Postkutschen. Im "Gasthof zur Post" befand sich zeitweise die Marktleuthener Postablage.
Historische Fotos Der Gasthof zur Post im Lauf der Zeiten
Das erste Elektrizitätswerk
Ein "Meilenstein des technischen Fortschritts" war um 1910 das Marktleuthner Elektrizitätswerk mit einer Leistung von sage und schreibe 25 PS, welches mit Koksofengas betrieben wurde. Das Gebäude wurde später als Steinschleiferei genutzt und beherbergt heute die "Arche", ein Künstler-Atelier und "Gesamt-Kunstwerk".

Eisenbahnviadukt Mit dem Bau der Bahnstrecke Regensburg-Hof, die in Marktleuthen auf einem Viadukt aus einheimischen Natursteinen das Egertal überquert, brach 1877 das Zeitalter der Industrialisierung an. Zwischen 1880 und 1900 entstanden Steinbrüche und Steinschleifereien, Brauereien, 1882 eine Glasfabrik, 1897 eine Porzellanfabrik und später ein Farbwerk. Eisenbahnviadukt in Marktleuthen

Leider forderte der Lauf der Zeit auch seine Opfer...
Die 1964 abgerissene Markgrafenbrücke Die Markgrafenbrücke, eine sechsbogige Brücke über die Eger, erbaut 1596 unter Markgraf Georg Friedrich und 1776 renoviert, war dem Verkehr nicht mehr gewachsen und mußte 1964 einem Neubau weichen. Der nicht mehr vorhandene Mühlgraben
Der  Mühlgraben, welcher dem Altstadtviertel westlich des Marktplatzes ein ganz eigenes Gepräge gab, (Klein-Venedig) wurde in den 60er-Jahren aufgefüllt. Hier steht auch das wahrscheinlich älteste Gebäude Marktleuthens.

Die Entwicklungsarbeit der Marktleuthner wurde 1954 durch die Verleihung der Stadtrechte belohnt. Zur "Stadterhebungsfeier" am 16. Oktober 1954 kam der damalige bayerische Staatsminister Dr. Hoegner, und die Marktleuthener trafen sich zu einer großen Kundgebung auf dem Marktplatz. Bürgermeister war damals Adolf Schmeissner. Wichtige Ereignisse in der Geschichte Marktleuthens finden Sie in der Zeittafel Zeittafel im Überblick.

In den Krisen- und Inflationsjahren 1923 und 1947 in Marktleuthen
herausgegebenes Notgeld Notgeld
Mittelalterlicher Notgeld Münzfund bei Marktleuthen
Stadterhebungsfeier

Während um die Jahrhundertwende 4 Brauereien die ganze Gegend belieferten, ist heute davon keine mehr übrig. Ein Brauereischlot dient nur noch als Standort des Storchennestes. Auch die Glashütte, später Bayerische Hohlglasfabrik, mußte 1964 ihre Pforten schließen und von den ehemals 5 Steinbetrieben waren 1970 noch vier übrig, heute zwei. "Unsere" Störche
Video von "unseren" Störchen
(Nestszene mit Paarung)
"Unsere" Störche

Die Hauptschule
Seniorenheim
Heute ist Marktleuthen eine kleine Industriestadt mit etwas Fremdenverkehr für Menschen die Ruhe und Erholung suchen.

In den letzten Jahrzehnten entstanden:
Stadthalle mit Bühne und ca. 400 Sitzplätzen, Zweifach-Sporthalle, Hauptschulgebäude, Seniorenheim und Feuerwehrhaus. Auch ein kleines Freibad im Ortsteil Großwendern fehlt nicht. Das historische Rathaus und das Grundschulgebäude wurden von Grund auf renoviert.

Leider konnte die Hauptschule nicht in der Stadt gehalten werden. In dem Gebäude befindet sich jetzt eine Montessori-Schule, ein Studienzentrum und eine Therapie-Praxis.
Die Grundschule
Ein markanter Punkt an der Straße aus Richtung Wunsiedel ist die Grundschule. Das Gebäude wurde 1914 erbaut und in den Jahren 2001 und 2002 mit großem Aufwand renoviert.


Evangelische Kirche Marktleuthen
In der evangelischen Kirche
Der Marktplatz wird dominiert
von der evangelischen Kirche St. Nikolaus
und dem Rathaus.
Rathaus
Sehenswert in der evangelischen Kirche ist die Kassettendecke aus dem Jahr 1718 mit ca. 2 x 2 m großen Deckengemälden von den Malern Matthes Gebhard aus Marktleuthen und Johann Jacob Radius aus Kirchenlamitz. Als weiteres die Spätrenaissance-Kanzel von 1617, der 1780 in Bayreuth gefertigte Taufengel und der Akanthus-Altar von 1667 mit einem Altarbild der Abendmahlsszene von 1643, welches am 15. April 1643 von einem Johann Erhard Büchta gestiftet wurde.
 Weitere Bilder und Informationen
 ... und bei Sabine

Die katholische Kirche Die katholische Kirche St. Wolfgang wurde 1956 erbaut und ist modern gestaltet. Ihr Inneres ist von lichtdurchfluteter schlichter Schönheit.

Ausführliche Informationen und Fotos finden Sie hier bei Sabine.
Die katholische Kirche

Wohnmobilstellplatz in Marktleuthen

Wohnmobilstellplatz


Sehr gut angenommen wird der im Egerpark direkt am Fluss gelegene  Wohnmobilstellplatz mit angrenzendem Wasserspielplatz und Spazierwegen entlang der Eger. Trotz der idyllischen Lage hat man nicht weit zur Innenstadt, wie bei vielen Wohnmobilstellplätzen im Fichtelgebirge.
Wasserspielplatz beim Wohnmobilstellplatz
Wohnmobilstellplätze im Fichtelgebirge Egerpark im Egertal in Marktleuthen Der Fluss Eger mit Spazierweg
Steg über die Eger in Marktleuthen

Skiurlaub im Fichtelgebirge
Marktleuthen und seine Ortsteile bieten sich für einen erholsamen Urlaub in herrlicher ruhiger Landschaft an. Eingebettet in den Naturpark Fichtelgebirge steht ein Netz von Rundwanderwegen um die Stadt und das ausgedehnte Wanderwegenetz des Fichtelgebirgsvereins zur Verfügung.

Paare und Singles können sich dort bei Wanderungen oder Radtouren ebenso erholen wie Familien. Auch sportliche Aktivitäten wie Reiten sind möglich, denn in der Gegend gibt es eine Vielzahl an Reiterhöfen. Bei einem Urlaub im Fichtelgebirge kommt also die ganze Familie auf ihre Kosten.

Durch die Höhenlage sind die Temperaturen im Sommer angenehm und im Winter liegen relativ schneesichere Skigebiete in unmittelbarer Umgebung (Skiabfahrten am Kornberg und Ochsenkopf, bei Mehrmeisel und Neubau, außerdem vielfältige Langlaufmöglichkeiten).
Weiher südlich von Marktleuthen

Hinter dem Galgenberg

Da wir zu Oberfranken gehören, hört man oft, wir sprächen fränkische Mundart.
Dies ist jedoch nicht so ganz richtig. Das Fichtelgebirge wurde aus vier Himmelsrichtungen besiedelt bzw. beeinflusst:

  • Aus dem Osten vom Egerland
  • Aus dem Süden von Bayern
  • Aus dem Westen von Franken
  • Aus dem Norden von Sachsen und Thüringen
Dadurch ändert sich im Fichtelgebirge der Dialekt nicht nur von Landstrich zu Landstrich, sondern oft auch von Stadt zu Stadt, und selbst die zugehörigen Dörfer haben ihre sprachlichen Eigenheiten. So spricht man in Weißenstadt mehr fränkisch, in Hohenberg mehr böhmisch. Marktleuthen liegt auch sprachlich irgendwo dazwischen. Das selbe gilt für die historischen Trachten, die bei uns sehr vom böhmischen Egerland und dem Erzgebirge beeinflusst sind.

Mundartlieder als historische Volksmusik, aber auch selbstgemachte Volkslieder im historischen Stil sang die  Volksmusikgruppe Roußbuttnboum. Unten zwei Videos der vier Sänger mit Gitarrenbegleitung.

Das Lied vom historischen Marktleuthener Leichenwagen Im rechten Video oben erzählen die Sänger in einem Lied die Geschichte vom gestohlenen und wiedergefundenen  Marktleuthener Leichenwagen. Sie ist nicht etwa uralt, wie der Leichenwagen selbst, sondern passierte im Jahr 1986.

Nachdem sich die Roußbuttnboum aufgelöst haben, singt das Lied der  Männerchor des Fichtelgebirgsvereins Marktleuthen.
Der historische Marktleuthener Leichenwagen


Rußbuttenträger Die abgelegene Gegend bot eher kärgliche Lebensbedingungen und auch die gewerbetreibenden Handwerker waren meist gezwungen, nebenher noch Landwirtschaft zu betreiben um existieren zu können. Erwähnenswert ist ein altes, heute ausgestorbenes Gewerbe, nämlich das der Ruß- und Pechbrenner. In kleinen fensterlosen Hütten, den Rußhütten, später in speziellen Öfen, wurde unter geringer Luftzufuhr harzreiches Holz verbrannt. Der entstehende Ruß wurde in kleine Spanbutten verpackt und für Schuh- und Wagenschmiere und zum Färben und Drucken verwendet. Für den Transport und Verkauf sorgten die Roußbuttnboum, meist arme Burschen, die mit den Rußbutten weit übers Land zogen. Nach einem alten Lied darüber, aus dem Egerland, benannte sich die Marktleuthener Volksmusikgruppe.

Ein Denkmal an der Egerbrücke und Flurnamen wie der Rußhüttenweg erinnern ebenfalls noch heute daran.
Roußbuttnbou


Erdställe, Schratzellöcher, Schratgänge Die Keller am Marktplatz und in der Kellergasse waren größtenteils mit niedrigen unterirdischen Gängen verbunden. Diese sind so niedrig, dass man sie nur im "Entengang" entlanglaufen oder kriechen kann.

 Erdställe, Schratzellöcher und Schratgänge
Erdstall, Schratzlloch, Schratgang
 Der Waldläufer am Kornberg
 



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Marktleuthen
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Der Kunstmaler Wilhelm Beindorf FGV-Männerchor


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