Das Kleine Backöfele auf dem Rudolfsattel


Das Kleine Backöfele auf dem Rudolfsattel In diese Felsformation auf dem Rudolfsattel zwischen Schneeberg und Rudolfstein führt eine kleine Tür. Dem Augenschein nach wurde sie irgendwann aufgebrochen.
Ein Backofen im Wald oder ein Bergwerkseingang für Zwerge? Auf den ersten Blick sieht das Ganze tatsächlich wie ein großer Backofen aus, oder ein kleiner Kellereingang für Zwerge, vielleicht sogar ein Bergwerkseingang.
Zur Erklärung nachfolgend eine Beschreibung, die ich 2014 für die Vereinszeitschrift Siebenstern des Fichtelgebirgsvereins (FGV) schrieb:
Das Backöfele auf dem Gipfel des Schneebergs kennt jeder. Geht man von dort Richtung Rudolfstein, steht nahe des Rudolfsattels, kurz vor den Drei Brüdern, eine ähnliche Felsformation. Mit einer Tür, die an eine Backröhre erinnert, sieht das Ganze noch mehr wie ein Backofen aus. Ähnlich gab es sie früher in jedem Dorf, zum Brotbacken für die Dorfgemeinschaft.

Der Arbeitskreis für Heimatforschung Marktleuthen hat sich dort umgesehen. Es stellte sich heraus, dass es sich bei der "Backröhre" um einen Tresor zur Aufbewahrung von Sprengstoff handelte. Nachdem kein Steinbruch oder Bergwerk in der Nähe ist, konnten die Forstbehörden und ehemalige Förster für Aufklärung sorgen. Der Sprengstoff wurde früher vor allem zum Wegebau benötigt. Üblich waren Stangen aus Ammongelit III von den ehemaligen Sprengmittelwerken Würgendorf in Nordrhein-Westfalen, der wesentlich sicherer im Umgang war als das früher übliche Dynamit. Heute ist für den Wegebau meist kein Sprengstoff mehr erforderlich, da die Baumaschinen so kräftig sind, dass sie auch große Felsen oder Baumstümpfe aus dem Weg räumen können.

Auf dem Türsturz ist die Jahreszahl 1956 eingemeißelt, mit den Initialen O. E. Es stellte sich heraus, dass offenbar der Förster Otto Eitner diese Abmauerung mit einer dreifachen Stahltür errichtete oder errichten ließ. Das Gebiet gehörte damals zum Forstamt Weißenstadt mit der Forstdienststelle Weißenhaid. Steinbrüche, Baufirmen und Forstämter durften den Sprengstoff aus Sicherheitsgründen nicht im Ort lagern, sondern mussten solche Lagerräume im Außenbereich schaffen. Erstaunlicherweise hat offenbar jemand die Tür irgendwann aufgeschweißt. Wären im Innern noch Sprengstoffreste gewesen, hätte das auch schiefgehen können.

Einen Namen für diese kleine Felsformation konnten wir nicht in Erfahrung bringen und nennen sie deshalb in Anlehnung an den bekannten Felsen auf dem nahen Schneeberg Kleines Backöfele.
© 2014 Erwin Purucker

Etwas von der Seite betrachtet, sieht man, dass der Hohlraum nicht in den eigentlichen Felsen geschlagen wurde.
Man hat vielmehr die Tür in eine Abmauerung unter einem Felsvorsprung eingefügt.
Felsformation zwischen Schneeberg und Rudolfstein im Fichtelgebirge
Er hat's bei einer Wanderung zufällig entdeckt: Ralf Zürner aus Marktleuthen

Kleines Backöfele auf dem Rudolfsattel Auf diesem Bild sieht man, wie schmal die Felsformation ist, und die Seitenflächen sind relativ gerade und parallel. Wahrscheinlich bekam der erkaltende Granit einen Sprung, in den von unten irgendwann neues Magma einströmte. Dieses war offenbar härter und wurde langsamer durch Verwitterung abgetragen, deshalb ragt es heute über den Erdboden.

Die aufgeschweißten Tresortüren Die aufgeschweißten Tresortüren lagen noch immer an Ort und Stelle..

Ein einfaches aber robustes Schloss war in dieser Höhenlage bestimmt das Richtige. Ob derjenige, der die Türen aufschweißte, wusste, dass es sich um eine Sprengstoffkammer handelte? Ich hätte da Bedenken gehabt, dass die Stichflamme des Schweißbrenners den evtl. noch vorhandenen Sprengstoff zur Exlosion bringt! Vielleicht haben die Täter ja Gold und Edelsteine erwartet.
Tresorschloss der Sprengstoffkammer

Die eingemeißelte Jahreszahl 1956 auf dem granitenen Türsturz, mit den Initialen O. E für den Förster Otto Eitner
Türsturz aus Granit

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Text und Fotos © Erwin Purucker, 2014