Schriftsteller, Publizisten

Johann Georg August Wirth

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Gedanken eines Laien zu großen Denkern und Kämpfern.
Was mir an Schriftstellern, Forschern und Philosophen am wichtigsten erscheint.


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Johann Georg August Wirth:
Zwischen den Königen besteht ein Bund, die sogenannte heilige Allianz, dies hat die Unterdrückung des Volkes zur Folge.1
Meine Gedanken dazu:
Wirth bezog diese Aussage zunächst besonders auch auf die beiden Herrschaftssysteme Österreich und Preußen, die seiner Meinung nach eine Vereinigung des Deutschen Bundes zu einem Deutschen Reich im Vormärz und Biedermeier verhinderten, obwohl das Volk dies wünscht. Trotz der Aufteilung in verschiedene Kleinstaaten führte die Dominanz und der Einfluss von Preußen und Österreich schon damals zu einer Art Zweiteilung Deutschlands. Der Wunsch nach einer Vereinigung war im Volk aber sicher nicht so eindeutig, wie es sich die nationalen Burschenschaften damals wünschten. Als der Vormärz 1848 in die Märzrevolution mündete, reichte es deshalb selbst da noch lange nicht zur Reichsgründung, dafür mussten die Deutschen noch fast 25 Jahre warten. Wahrscheinlich bezog er den Bund zwischen Königen auch auf die Vereinbarungen des Wiener Kongresses 1815, bei dem sowohl Deutschland als auch Italien die Vereinigung zu Nationalstaaten verwehrt wurde und man sie mit föderativen Bünden abspeiste. Auch Russland und Frankreich fürchteten sicher den Machtgewinn durch eine Vereinigung und Reichsgründung.

Verallgemeinert man die Aussage, muss man feststellen: Auch wenn es kaum noch absolutistische Herrscher gibt, dürfen wir nicht meinen, diese Gefahr sei damit ein für alle Mal aus der Welt, und wir bräuchten uns nicht mehr darum zu kümmern. Vielmehr müssen wir auch heute noch für Grundwerte wie Meinungsfreiheit, Redefreiheit und Pressefreiheit kämpfen, sonst werden sie uns wieder abgenommen und die Pressezensur lauert schon in verschiedenen Ecken der Politik. Früher ging die Zensur noch viel weiter. Was man in der Öffentlichkeit auch nur so dahin sagte, konnte einen schnell in die Folterkammern der kirchlichen Inquisition oder in die Verliese der Fürsten und Könige bringen, was meist mit dem baldigen Tod endete.

Die freie und schnelle Kommunikation in den sozialen Medien und Foren trägt heute sicher auch dazu bei, einen Bund zwischen Königen gegen das Volk zu verhindern, auch wenn die Beiträge oft ins andere Extrem schwenken und  Verschwörungstheorien entstehen. Liest man die Beiträge kritisch, kann man schnell die Spreu vom Weizen trennen.

Die Frage ist auch nicht einfach, Medienfreiheit ja oder nein, sie ist immer nur graduell. Bedingt durch das Erb-Trauma des Nationalsozialismus findet sie in Deutschland schnell ihr Ende, wenn es um nationalistische Themen geht. Schon wenn man sich mit der Geschichte der Germanen befasst, muss man sehr vorsichtig sein, weil diese Geschichte und ihre Symbole vielfältig von den Nazis gebraucht und missbraucht wurden. Das Sonnenrad als  Hakenkreuz wird im Ausland viel freier gezeigt und verwendet als in Deutschland. Verdrängung und Belehrung wird uns nicht zu einem gesunden Verhältnis zu unserer deutschen Geschichte führen. Wir müssen aufhören, unseren Schülern mit jedem Gedenktag zu sagen, dass ihre Großväter alle Verbrecher waren.
Johann Georg August Wirth
Johann Georg August Wirth
an seinem Denkmal in Hof an der Saale

Johann Georg August Wirth

wurde 1798 in Hof an der Saale (Oberfranken) geboren. Am Hofer Gymnasium war er 1810/1811 ein Klassenkamerad von Karl Ludwig Sand aus  Wunsiedel, der 1819 als radikaler Burschenschafter den politischen Schriftsteller und russischen Generalkonsul August von Kotzebue ermordete und deswegen hingerichtet wurde. Wirth wechselte 1811 an die Königliche Studienanstalt in  Bayreuth und studierte anschließend in Erlangen Jura. Nachdem er ab 1823 in einer Bayreuther Rechtsanwaltskanzlei gearbeitet hatte, zog er 1831 nach München, um als Redakteur für die Zeitung Das Inland zu arbeiten.

Er bevorzugte regierungskritische Artikel, was natürlich Ärger brachte, und die Zeitung wurde eingestellt. Parallel dazu schrieb er regelmäßig in der Zeitschrift Der Kosmopolit. Da der bayerische König die Kontrolle über die Presse 1831 mit einer Verordnung verschärft hatte, und Wirth deshalb zu einigen Arreststrafen verurteilt wurde, ging er im Jahr darauf nach Homburg, um dort seine Zeitschrift Deutsche Tribüne fortzuführen, die in München mehrmals beschlagnahmt worden war.

Zur Förderung der Pressefreiheit gründete er den deutschen Vaterlands- und Preßverein (Deutscher Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse). Von der fünf Tage später erschienenen Flugschrift Deutschlands Pflichten wurden 50 000 Exemplare gedruckt und die Ziele des Vereins definiert. Mit Mitgliedsbeiträgen sollten verbotene Autoren unterstützt und die Familien verhafteter Schriftsteller versorgt werden.

Die Vereinigung Deutschlands sollte mit den Waffen des Geistes und der öffentlichen Meinung erreicht werden. Wirth wetterte auch gegen Frankreich und wurde am 16. März 1832 verhaftet. Verschiedene regierungskritische Zeitschriften und sein Preßverein wurden verboten. Auch seine Zeitschrift Deutsche Tribüne ließ der österreichische Staatskanzler Metternich beschlagnahmen und verbot sie endgültig. Durch die ständigen Repressalien radikalisierten sich die Einstellungen Wirths. Selbst ehemalige Freunde wie der Dichter Georg Herwegh bezeichneten ihn als Deutschthümler und Georg Fein, der ehemaliger Redakteur der Deutschen Tribüne bezichtigten ihn der Teutomanie.

Das Zweibrücker Appellationsgericht sprach ihn allerdings einen Monat später wieder frei und betonte das Recht der Journalisten auf Notwehr gegen verfassungswidrige Angriffe auf die Pressefreiheit. Daraufhin erlebte der Vaterlands- und Preßverein einen Aufschwung, Filialkomitees wurden gegründet und auch  Heinrich Heine trat dem Verein bei.

Das Hambacher Fest

Schon im Mai initialisiert Wirth zusammen mit Philipp Jakob Siebenpfeiffer das bekannte Hambacher Fest an der Schlossruine bei Neustadt in der Pfalz, dessen Teilnehmer eindringlich nationale Einheit, Freiheit und Volkssouveränität forderten. Sie sahen sich damit in der Tradition der schon 1817 begonnenen Wartburgfeste, die aus der Enttäuschung heraus entstanden, dass nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon die Hoffnungen auf ein vereinigtes Deutsches Reich durch den Wiener Kongress von 1815 enttäuscht wurden. Die Restaurations-Tendenzen des Deutschen Bundes in der Biedermeier-Zeit wurden verurteilt und der deutsche Vormärz trat in seine heiße Phase, was später zu der Deutschen Revolution von 1848, der sogenannten Märzrevolution, führen sollte.

Nachdem Wirth allerdings auf dem Hambacher Fest in einer Rede die "vereinigten Freistaaten Deutschlands" gefordert und über das "conföderierte republikanische Europa" philosophiert hatte, und zu deren Errichtung die Bildung eines Bundes der Patrioten verkündete, verhaftete man ihn erneut und brachte ihn ins Gefängnis nach Zweibrücken, wo er seine politischen Ideen in einer Flugschrift mit dem Titel "Die politische Reform Deutschlands" niederschrieb. Nachdem er sich beim spektakulären Assisenprozess in Landau im Juni 1833 in einer achtstündigen Rede verteidigt und die deutschen Fürsten zu Hochverrätern erklärt hatte, sprach man ihn wieder frei.

Schon im November des gleichen Jahres verurteilte ihn allerdings das Zuchtpolizeigericht Zweibrücken wegen Beleidigung inländischer und ausländischer Behörden. Seine zweijährige Gefängnisstrafe in Kaiserslautern nutzte er wiederum zum Verfassen einer Streitschrift und nannte sie "Fragmente zur Kulturgeschichte der Menschheit". Darin entwarf er ein neues Planetengesetz und versuchte, die Weltentwicklung mit einer Rassentheorie zu verknüpfen. Die Germanen hob er darin als "unverdorbenes kraftvolles Urvolk" hervor. Manche behaupteten daraufhin, er habe im Gefängnis seinen Verstand verloren.2 Wegen seiner radikalen Ansichten fand man nach seiner Entlassung wieder eine Möglichkeit, ihn wegzusperren: Er sollte eine Kontumazstrafe (Verurteilung wegen Nichterscheinen vor Gericht) in Passau absitzen. Dort konnte er jedoch fliehen und lebte ein paar Jahre in Frankreich.

1839 kam er nach Kreuzlingen in der Schweiz, wo er sich bei dem Konstanzer Verleger Ignaz Vanotti mit schriftstellerischen Dienstleistungen über Wasser hielt. In dessen deutsch-kritischem Verlag Belle-Vue überarbeitete er unter anderem die Zeitung Deutsche Volkshalle und Vanotti's Schrift Geschichte der Deutschen.

Nachdem er 1847 nach Karlsruhe gezogen war, wählte man ihn in die Frankfurter Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Allerdings starb er noch im gleichen Jahr in Frankfurt.

Die Karlsbader Beschlüsse

Schon im August 1819, kurz nach der Ermordung August von Kotzebues, beschlossen Vertreter der größeren Staaten des Deutschen Bundes bei einem geheimen Treffen in  Karlsbad einschneidende Maßnahmen zur Unterdrückung liberaler und nationaler Bestrebungen. Die Burschenschaften wurden verboten, die Universitäten kritisch überwacht, sogar Turnvereine wurden mit der Turnsperre (dem Turnverbot) belegt, angeblich um Demagogie zu verhindern. Die Einschränkung der Pressefreiheit gab den deutschen Staaten die Möglichkeit, unbequeme Leute wie Johann Georg August Wirth einzusperren, nur weil sie ihre politische Überzeugung veröffentlichten. Karikatur auf die Karlsbader Beschlüsse - Bald auch Denkverbot?
Karikatur des Biedermeier von 1820,
nach den Karlsbader Beschlüssen:
Bald auch Denkverbot?

Die  Akademie für Neue Medien in  Kulmbach vergibt jedes Jahr den Johann-Georg-August-Wirth-Preis an verdiente Journalisten und Schriftsteller, die sich der Pressefreiheit und gutem Journalismus verpflichtet fühlen.
Bisherige Träger des Johann-Georg-August-Wirth-Preises:
2009: Dr. Helmuth Jungbauer und Horst Uhlemann
2010: Professorin Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner
2011: Herbert Knur und Siegfried Hännl
2012: Dietmar Gaiser
2013: Wirth-Preis für Laurent Fischer
2014: Henry Schramm und Klaus Peter Söllner
2015: Wolfgang Sabisch
2016: Franz Brosch
2017: Professor Conrad Heberling
2018: Frauke Ancker
2019: Siegfried Schneider
1 Johann Georg August Wirth, "Deutschlands Pflichten" in "Deutsche Tribüne" 1832
2 Volker Ullrich in "Die Zeit" Nr. 05/2005 nach Elisabeth Hüls, Johann Georg August Wirth: Ein politisches Leben im Vormärz

Für meine Texte: © 2017 by Erwin Purucker





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