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Selb

in Oberfranken


Porzellanstadt Selb

Porzellanstadt Selb


Es war mitten in der industriellen Revolution, als im Jahr 1857 Lorenz Hutschenreuther in der Ludwigsmühle in Selb die erste Porzellanfabrik gründete. Nachdem im März 1856 bei der alten Apotheke "durch die Unachtsamkeit einer Magd" ein Feuer ausbrach, das als Selber Brand den mittelalterlichen Stadtkern und fast ganz Selb zerstörte, waren viele Weber arbeitslos und fanden in der Porzellanherstellung wieder Arbeit.

Durch die von Lorenz Hutschenreuther eingeführte industrielle Serienfertigung konnten sich größere Gesellschaftsschichten Porzellangeschirr leisten, und das Weiße Gold brachte Selb schnell einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahr 1864 ermöglichte die durch Selb führende Bahnstrecke Hof (Saale) – Eger neue Absatzwege nach Westen und Osten.
Selb in Oberfranken

Das Porzellan

Trotz des Niedergangs der Porzellanindustrie in Selb, im Fichtelgebirge und in Oberfranken produzieren noch einige Porzellanfabriken. Im Stadtbild ist das Porzellan noch allgegenwärtig. Nicht nur Porzellan-Geschirr sondern auch verschiedenste Kunstwerke aus Keramik sind mit den Namen Rosenthal, Hutschenreuther und anderen Selber Firmen verbunden.

Große Kaffeekannen grüßen die Besucher an den Hauptstraßen und erinnern an die Blütezeit der Keramikindustrie in der Stadt.
Porzellanstadt Selb

In der Altstadt auf dem Martin-Luther-Platz findet man einen Porzellan-Brunnen, errichtet im Jahr 2003 von der Porzellanmanufaktur Barbara Flügel aus 60 000 Porzellanplättchen.
Porzellan-Brunnen Porzellan-Brunnen in der Fußgängerzone

Selbst am Selber Weihnachtsbaum
hängt natürlich … 
Sie können sich's denken:
Porzellan!
Porzellan am Weihnachtsbaum
Porzellan am Weihnachtsbaum

Das Porzellanikon

Wer etwas über die historische industrielle Porzellanherstellung erfahren möchte, ist im Porzellanikon in Selb richtig. Hier hat man eine ganze Porzellanfabrik aufwändig zum Museum ausgebaut. Zu bestimmten Zeiten im Lauf des Tages werden Maschinen im Betrieb vorgeführt. Der Name Porzellanikon ist für manche etwas verwirrend, da es aus verschiedenen Vorstufen entstand, die schließlich zusammengeführt wurden. Wer sich mehr für die Produkte, also das Porzellan selbst, interessiert, kann diese im Deutschen Porzellanmuseum in  Hohenberg an der Eger betrachten. Porzellankunst aus verschiedenen Epochen ist dort ausführlich präsentiert. Seit dem Zusammenschluss ist es ebenfalls eine Abteilung des Porzellanikons.
Das Porzellanikon Selb, eine ganze Porzellanfabrik als Museum Das Porzellanikon Selb, Europäisches Industriemuseum für Porzellan

Maschinen und Öfen in XXL

Die technisch Interessierten finden hier im Maschinenhaus von 1896 mehrere riesige Dampfmaschinen, überdimensionale Öfen und andere Maschinen zur Herstellung von Porzellanartikeln. Die Dampfmaschine links hat eine Leistung von sage und schreibe 500 PS und stammt aus dem Jahr 1915. Bei Vorführungen werden die Dampfmaschinen mit einem (auch historischen) Elektromotor, einem Langsamläufer, betrieben, da die Anheizung eines Kessels zu aufwändig und energiefressend wäre. Sicher wurde auch hier in Selb im 20. Jahrhundert Kohle vergast, da die morderneren Brennöfen und vor allem die Tunnelöfen mit Gas beheizt werden müssen. In Marktleuthen, wo die Porzellanfabrik unmittelbar am Bahnhof lag, konnte später Flüssiggas mit Eisenbahnwaggons angeliefert werden, was die Kophlevergasung mit ihren Teerrückständen überflüssig machte. Rechts ein Zweiflamm-Wellrohrkessel mit Kohlebeschickung von oben. Das Schüren wie das Brennen war bestimmt eine schweißtreibende Arbeit.
Historische Dampfmaschine aus dem Jahr 1915 Zweiflamm-Kohle-Wellrohrkessel

Ausführlich dargestellt werden auch die verschiedenen Berufe und Fachrichtungen, die für den Betrieb einer Porzellanfabrik erforderlich sind. Von Modelleuren, welche die Formen entwarfen, Brennern, Porzellanmalern bis zu den Schlossern in der eigenen Schlosserei. Wer Kunstporzellan wie Statuetten bemalte, legte Wert darauf, dass er kein Porzellanmaler, sondern Kunstmaler ist. Da die Farben nach dem Brennen anders aussehen, als beim Auftragen, muss der Maler diese Umwandlung bei seiner Arbeit einberechnen. Alle nannten sie sich bei uns gemeinschaftlich Porzelliner.

Für das Porzellan wird Kaolin, Quarz und Feldspat fein gemahlen und mit Wasser zu Schlicker vermischt. Bei Arbeitern mit staubigen Tätigkeiten war vor allem die Silikose berüchtigt. Diese Staublunge, die das Atemvolumen schleichend verkleinert, war auch bei Steinschleifern in unserer Gegend häufig. Arbeitsschutz wurde kleingeschrieben und bei Arbeitern in den Steinbetrieben kursierte der Satz »Ein Steinschleifer ohne Staublunge taugt nichts!«

Faun mit Nymphen, die Sünde - Walter Schott

Porzellankunst: Walter Schott

Porzellan, das zur Keramik zählt, ist ein sehr vielfältiger Werkstoff. Die Glasur verleiht ihm ein edles, glänzendes Aussehen. Rechts eine Porzellanfigur nach dem alten und vielfach kopierten Kunstmotiv Faun mit Nymphen, das Walter Schott um 1900 erstmals ersann und modellierte. Porzellanfiguren nach diesem Motiv wurden besonders bei Rosenthal vielfach hergestellt und verkauft. Manchmal nennt man das Motiv einfach die Sünde.

Faun, eigentlich Faunus, ist eine römische Gottheit der Natur und des Waldes, er beschützt die Bauern und Hirten und entspricht etwa dem griechischen Hirtengott Pan. Seine Gefährtin ist die Fauna, die wir als Begriff für die Tierwelt kennen. Manchmal wurde er auch wie Pan als Mischwesen zwischen Mensch und Ziegenbock, und als Waldgeist dargestellt. Mit seinen Hufen erinnern manche Abbildungen auch an unseren Satan, den Teufel. Nymphen sind weibliche Naturgeister und repräsentieren die Naturkräfte von Pflanzen, Tieren und Menschen. Was der Faun mit ihnen so treibt, darüber kann man nur spekulieren, natürliche Sachen eben.

Walter Schott (1861 - 1938) war ein deutscher Bildhauer. Bekannt ist sein Nymphenbrunnen auf Burg Schlitz und die Skulptur Die Kugelspielerin an der Königsallee in Düsseldorf.

Technische Keramik

In Selb wurde auch technische Keramik hergestellt. Isolatoren für Hochspannungsleitungen zum Beispiel. Die keramischen Kondensatoren von Rosenthal hatten Weltruf. Es gab sie von ganz winzig bis riesig, auch als Durchführungskondensatoren zum Abblocken von Hochfrequenzen bei hohen elektrischen Spannungen. Sie konnten im Hochvolthaus erprobt werden, das heute zur Firma LAPP Insulators GmbH gehört und ebenfalls als Industriedenkmal gilt. Dort können zu Forschungs- und Prüfzwecken elektrische Spannungen bis zu 2000 kV (2 Millionen Volt) erzeugt werden. Auch Keramik-Gefäße, die 1500°C aushalten sind kein Problem.

Regenbogenhaus

Durch die Porzellanindustrie kamen namhafte Künstler nach Selb und hinterließen hier ihre Spuren.
So gestalteten Otto Piene (†2014), Marcello Morandini und Friedensreich Hundertwasser (†2000) die Firma Rosenthal als Regenbogenhaus und Spiegelhaus.
Regenbogenhaus Selb Regenbogenhaus Rosenthal Selb
Regenbogenhaus, Spiegelhaus und Outlet Center
Rosenthal Regenbogenhaus, Spiegelhaus und Outlet Center

Heute bezeichnet sich Selb gern als Porzellan- und Designstadt. So findet man auch schon mal einen Büroturm im Stil von Friedensreich Hundertwasser. Und Kunst aus verschiedenen Zeiten, mal ins Auge stechend und mal ganz versteckt. Die Skulptur Der Sinnende von Wolfgang Stefan an der Selbbachbrücke hinter dem Rathaus ist aus Wunsiedler Marmor. Das geschwungene Geländer aus Granit dahinter soll die Flüsse des Fichtelgebirges darstellen. Für mich sieht es aus, als ob der Sinnende gerade mürrisch die aufblühende Felsenbirne und das erste Grün der Bäume betrachtet und sich wundert, dass es doch wieder mal Frühling wird.
Büroturm im Stil von Friedensreich Hundertwasser Der Sinnende aus Marmor von Wolfgang Stefan in Selb

Moritz Hegy

Hier das Porzellan-Wandbild Alt-Selb an einer Hauswand nahe des Paul-Gerhardt-Hauses (Seniorenzentrum). Das handgemalte Bild von Moritz Hegy besteht aus 53 Rosenthal-Porzellanplatten. Der Porzelliner und Porzellankünstler Moritz Hegy malt meisterhaft Bilder mit Porzellanfarben auf glasierte Porzellanplatten. Beim Malen müssen die Farbveränderungen beim Brennen einkalkuliert werden, die je nach Temperatur sehr unterschiedlich sind und nachträglich nicht mehr korrigiert werden können.
Porzellan-Wandbild Alt-Selb von Moritz Hegy
Der Große Brand von Selb, 1856, der Selber Brand, welcher die Weber arbeitslos machte und damit die Porzellanfertigung begründete, gemalt ebenfalls auf Porzellanfliesen:
Der Große Brand von Selb 1856, der Selber Brand
.

Wolfgang Stefan

Der ursprünglich aus Vohenstrauß in der Oberpfalz stammende freischaffender Bildhauer Wolfgang Stefan lernte Kerammodelleur in der Porzellanfabrik Hutschenreuther, studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und lehrte an der Steinmetzschule in  Wunsiedel. Sein Lebens-Brunnen von 1991 aus  Fichtelgebirgs-Marmor symbolisiert den Kreislauf des Lebens vom Kind bis zum Greis. Der Brunnen des Lebens von Wolfgang Stefan in Selb
Der Lebens-Brunnen von Wolfgang Stefan in Selb

Selb-Längenau, die Landesgrenze und der Vulkanismus

An den sonnigen Hängen des Wartbergs findet man das Dorf Längenau. Der Berg ist vulkanischen Ursprungs und längst erloschen. Einige Steinbrüche erschließen die ehemaligen Vulkanschlote. Möglicherweise hat das flüssige Magma die Erdoberfläche nicht erreicht, sondern ist unterwegs abgekühlt und erstarrt. Vom Vulkanismus blieben der Gegend ab und zu auftretende Schwarmbeben, die zwar spürbar sind, aber normalerweise keine Schäden verursachen. Ihr Epizentrum haben sie meist im nahen böhmisch-tschechischen Egergraben, dessen Ränder sich ca. 6 mm pro Jahr auseinanderbewegen. Dort vermutet man heute flüssiges Magma in nur ca. 30 km Tiefe.

 Längenau
Vulkanschlot am Wartberg bei Selb-Längenau

Die Häusellohe

Moorgebiet am Ostrand des Fichtelgebirges,
Holzkohlen-Meiler, Pechsteine und historischer Teerofen
historischer Schausteinbruch und Runenstein
Die Ackerl-Kapelle am Liebensteiner Tor

 Die Häusellohe
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