Der Fall Peggy

Lichtenberg in Oberfranken im Frankenwald

Der Fall Peggy in Lichtenberg
Die Altstadt von Lichtenberg unterhalb der Burganlage
In Lichtenberg im Frankenwald, unmittelbar an der Grenze Bayerns und Oberfrankens zu Thüringen, einst die  Innerdeutsche Grenze, verschwand am 7. Mai 2001 das neunjährige Mädchen Peggy K. spurlos. Nachdem man Peggy nicht wiederfand, und zunächst auch keine Leiche gefunden wurde, und obwohl ein Ulvi K. aus Lichtenberg als Mörder verurteilt wurde, rankten sich lange Zeit zahlreiche Gerüchte und Legenden um den Verbleib des Mädchens. Selbst nach dem Fund ihrer Leiche im Jahr 2016 gibt es noch keine Gewissheit über ihr Schicksal an diesem verhängnisvollen Tag. Darüber wurde schon so viel geschrieben und in Rundfunk und Fernsehen berichtet, dass ich die Geschichten nicht wiederholen möchte. Als Zusammenfassung muss man folgern, dass es trotz modernster forensischer Methoden und intensiver Ermittlungsarbeit tatsächlich auch heute noch oft schwierig oder unmöglich ist, endgültige Gewissheit über einen Tathergang zu erlangen.
Grabstein (Grab-Gedenkstein) für Peggy aus Lichtenberg
Der Friedhof von Grund bei Nordhalben

Das Grabdenkmal

Obwohl Peggy bis zum Jahr 2016 weder tot noch lebendig gefunden wurde, ließ ihre Mutter auf dem Friedhof in Grund bei Nordhalben einen Gedenkstein in Form eines Grabes errichten. Ein Ort der Trauer, nicht nur für die Mutter!
Am unteren Rand des Grabdenkmals steht:
»Wer nicht an Engel glaubt, der ist dir nie begegnet.«

Die Ermittlungen

Die Tragik des geheimnisvollen Verschwindens und die Trauer der Mutter wurde sicher von den widersprüchlichen Zeugenaussagen, Verleumdungen und der Sensationsgier der Medien verstärkt. Das völlige Fehlen von Sachbeweisen, vor allem einer Leiche hatte einen Wildwuchs von Spekulationen und Gerüchten hervorgebracht, die in einem Buch sehr anschaulich und spannend beschrieben sind:
 Der Fall Peggy: Die Geschichte eines Skandals von Ina Jung und Christoph Lemmer (Hier direkt bei  Amazon.de ).

Darin wird beschrieben, wie ein Ulvi K. als Mörder verurteilt werden konnte, obwohl durchaus Zweifel an seiner Schuld bestanden und auch andere als Täter in Frage kamen. Der Druck der Öffentlichkeit und der Medien, wahrscheinlich auch der Politik, verlangte nach einem Schuldigen, und der wurde geliefert. Für den Mord wurde er inzwischen aus Mangel an Beweisen wieder freigesprochen, obwohl ihm natürlich Kinderschändung und Vergewaltigung in vielen Fällen nachgewiesen wurden. Allerdings wurde er für diese Taten als nicht zurechnungsfähig erklärt, für den Mord schon. Dass Sex mit Kindern etwas schlechtes ist, hätte er demnach nicht begreifen können, dass man niemanden umbringen darf aber schon. Dass es temporäre Unzurechnungsfähigkeit gibt, war mir bekannt, aber hier handelt es sich um partielle oder graduelle Unzurechnungsfähigkeit je nach Schwere der Tat, das war mir neu!
Grabdenkmal für Peggy in Grund bei Nordhalben
Bis zu ihrem spurlosen Verschwinden im Alter von 9 Jahren lebte Peggy K. mit ihrer Mutter in einem Wohnhaus in der Altstadt von Lichtenberg. Die aus Thüringen stammende Mutter ist danach umgezogen.

Es gibt sogar einen Spielfilm, der zwar in einer imaginären Ortschaft nahe der tschechischen Grenze spielt, aber teilweise auf dieser wahren Geschichte beruht. Am Schluss dieses Kriminalfilms stellt sich allerdings heraus, dass das entführte Mädchen seit ihrem Verschwinden in einem tschechischen Nachtclub lebte. Die Filmaufnahmen entstanden teilweise im tschechischen Asch (Aš), der Schluss ist natürlich reine Phantasie. Der Titel des Films: Das unsichtbare Mädchen, Regisseur: Dominik Graf

Das Wiederaufnahmeverfahren

Von Anfang an stand ein weiterer Mann in Verdacht, ein Holger E. Die Ermittlungen gegen ihn wurden allerdings nach dem angeblichen Geständnis von Ulvi eingestellt. Im September 2013 zeigte Stern TV ein Bild von ihm und Peggy, als Holger 17 Jahre alt war. Er besaß eine CD mit Kinderpornografie und ein Medaillon mit Peggys Bild. Seine Adresse fand die Polizei in ihrem Schulheft. Sein Alibi für die Tatzeit war erlogen. Wegen anderer sexueller Missbräuche saß er inzwischen schon im Gefängnis.

Im Jahr 2014 gab es dann vor dem Landgericht Bayreuth das Wiederaufnahmeverfahren um den als Mörder verurteilten Ulvi K. Sofort stand Lichtenberg wieder im Fokus der Medien. Presse, Rundfunk und Fernsehen erschienen im Frankenwald und erstellten neue Berichte über die alte Geschichte, wie hier der Bayerische Rundfunk, Studio Nürnberg. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch für den Mord. Nicht weil seine Unschuld erwiesen wäre, sondern weil es berechtigte Zweifel an seiner Schuld gibt, und weil auch andere Verdächtige nicht sicher ausgeschlossen werden konnten. Auf freien Fuß kam er erstmal trotzdem nicht, da er wegen verschiedener erwiesener Sexualdelikte, für die man ihm die Schuldfähigkeit absprach, in einer geschlossenen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Bayreuth untergebracht wurde.
Medieninteresse an Lichtenberg
Öffentliche Aufmerksamkeit und Medienrecherche in Lichtenberg

Der Leichenfund

Im Sommer 2016 wurde schließlich in Rodacherbrunn in Thüringen ein Kinderskelett gefunden, und es stellte sich heraus, dass es sich um Peggy handelt. Ob der Fund 15 Jahre nach ihrem Tod noch neue Erkenntnisse über den Täter bringen kann, ist fraglich. Wir werden es erfahren. Wo sie 2016 beigesetzt wurde weiß ich ebenfalls nicht. Ich kann mir vorstellen, dass diese endgültige Todesnachricht auch eine Erleichterung sein kann. Zu wissen, dass sie seit vielen Jahren tot ist, erträgt man vielleicht leichter als die Ungewissheit, ob sie nicht immer noch irgendwo gefangen gehalten und gequält wird ( Thema Tod in meiner Bildergalerie).

Eine weitere Sensationsmeldung geisterte am 13. Oktober 2016 durch die Medien: Am Fundort von Peggy's Leiche wären DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt gefunden worden, einem Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), den man für eine Mordserie mit zehn Toten verantwortlich macht. Die Überraschung der Behörden war genau so groß wie die der Öffentlichkeit. Was dahinter steckt, war lange unklar. Ein Opferanwalt forderte plötzlich öffentlich Untersuchungen zu Kinderporno-Dateien, die auf einem Datenträger im Brandhaus des Trios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gefunden wurden. Von einer Verbindung zwischen den beiden Kriminalfällen war vorher meines Wissens nie die Rede gewesen. Schließlich stellte sich heraus, dass die DNS Böhnhardts offenbar von Werkzeugen der Spurensicherung stammt, die nicht sachgemäß gereinigt wurden.

Bewegung kam wieder im Jahr 2018 in die Ermittlungen, als Mikrospuren vom Fundort der Leiche zu einem Manuel S. führten, der inzwischen von Lichtenberg nach  Marktleuthen im Fichtelgebirge gezogen war. Er gab schließlich zu, die Leiche von einem Bekannten übernommen, nach Thüringen gebracht und dort bei Rodacherbrunn vergraben zu haben.

Mädchen verschwunden titelte unsere Heimatzeitung, die Frankenpost, am 9. Mai 2001 auf der ersten Seite. Frankenpost: Mädchen verschwunden

Der Fall Peggy Ein Buch über die Ermittlungen nach dem Verschwinden des Mädchens Peggy. Ausführlich und trotzdem unterhaltsam und spannend geschrieben.


 
 
 
Nahe der Auffahrt zur Burg Lichtenberg stehen diese zwei traurig wirkenden Steinskulpturen. Auch sie scheinen um Peggy zu trauern. Ob sie einen Bezug zu dem verschwundenen Mädchen haben, weiß ich nicht.
Steinskulptur in Lichtenberg
Steinskulptur in Lichtenberg

Geheimnisvoller Frankenwald

Nahe Lichtenberg liegt die Ortschaft Hölle, ein Ortsteil von Naila im Frankenwald. Für den Mörder von Peggy wünschen sicher viele Leute, er möge möglichst bald in der gleichnamigen teuflischen Einrichtung schmoren ( Thema Hölle und Satan in meiner Bildergalerie). Aber auch Gutes und Gesundes kommt aus den weitläufigen Wäldern des Frankenwaldes. Aus dem Höllental, durch das die Selbitz fließt, kommt der bekannte  Höllensprudel.
Hölle im Frankenwald

In den geheimnisvollen Wäldern und dunklen Tälern des Frankenwaldes und des Fichtelgebirges in Oberfranken gibt es seit Jahrhunderten Geschichten und  Legenden mit teils grausamen Handlungen. Wie heißt es bei J. R. R. Tolkien: »Geschichte wurde Legende, Legende wurde Mythos. Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren.« ( Der Herr der Ringe, Bilder und Zitate) Bis über diese Geschichte das legendäre Gras gewachsen ist, wird es wohl sehr lange dauern, aber was sind schon ein paar Jahrhunderte im Lauf der Zeit …

Die spurlos verschwundene Heike H. aus Selbitz

Eine weitere Frau verschwand gar nicht weit von Lichtenberg spurlos. Schon im Jahr 1988 wurde im Bereich Naila, Bad Steben, Marxgrün (Landkreis Hof an der Saale) eine Frau vermisst, die in den Medien als Heike H. aus Selbitz bekannt wurde. Da sie allerdings häufig davon redete, den Frankenwald verlassen zu wollen, ist es doch möglich oder sogar wahrscheinlich, dass sie irgendwo auf der Welt noch lebt. Dreißig Jahre später, als wieder Bewegung in den Fall Peggy kam, untersuchte man auch eine Straße zwischen Naila und Bad Steben, unter der möglicherweise eine Leiche, vielleicht Heike, entsorgt worden sein könnte. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens fanden hier Straßenbauarbeiten statt!
Spurlos verschwunden: Heike H. aus Selbitz im Frankenwald
Abb.: Altes öffentliches Fahndungsfoto






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