Der Schriftsteller und Dichter Jean Paul Richter


Schriftsteller und Dichter Jean Paul Richter Das wohl bekannteste Kind unserer Gegend wurde als Johann Paul Friedrich Richter am 21. März 1763 in Wunsiedel geboren. Sein Geburtshaus steht neben der evangelischen Stadtkirche und davor erinnern der Jean-Paul-Brunnen und eine Bronzebüste an den berühmten Dichter, der vor allem Romane, aber auch politische Schriften und Erziehungslehren verfasste.
Als er zwei Jahre alt war zog die Familie nach Joditz und 1776 nach Schwarzenbach an der Saale. Weitere Wohnorte waren Hof, Töpen, Leipzig, Weimar, Berlin und schließlich Bayreuth, wo er am 14. November 1825 starb. Sein Grab befindet sich auf dem dortigen Stadtfriedhof.

Bekannteste Werke: Schulmeisterlein Wuz, Siebenkäs, Hesperus oder 45 Hundposttage, Die unsichtbare Loge, Titan, Flegeljahre. Viele davon findet man zum Lesen im Internet unter  Spiegel.de, Projekt Gutenberg: Jean Paul

Zu seiner Zeit waren die Bücher Jean Pauls im Volk und besonders bei gebildeten Damen sehr beliebt und wurden teilweise mehr gelesen als die Werke von Johann Wolfgang von Goethe. Seine gefühlvolle aber manchmal etwas verwirrende und geheimnisvolle Schreibweise sprach vor allem die Damenwelt an und er hatte viele Verehrerinnen, die ihn vielfach um eine Haarlocke baten. Solche Souvenirs wurden traditionsgemäß in kleinen Silberbüchsen mit Schauglas aufbewahrt. Zeitweise verschenkte er so viele Haarlocken, dass der Scherz umging, sie könnten nicht alle von ihm stammen und er hätte wohl Locken seines Hundes hinzugefügt.

Liest man seine Werke heute, braucht man für die oft recht komplizierten Handlungen doch etwas Geduld, was in unserer Zeit mit ihren Actionfilmen und Actionromanen vielen schwerfällt. Aber es ist wie mit der klassischen Musik: Die wahren Juwelen entdeckt man erst, wenn man sich geduldig eingehört bzw. eingelesen hat. Zitate aus Goethes Faust kennt heute jedes Kind als Teil unserer Sprache aber auch Aussprüche von Jean Paul wirken manchmal geradezu modern, wie zum Beispiel: »An Weibern ist alles Herz, sogar der Kopf!« Auch dass wir die Anführungszeichen als Gänsefüßchen bezeichnen, wird ihm zugeschrieben.
Wunsiedel - Geburtshaus von Jean Paul Das Geburtshaus des Dichters Jean Paul Richter
steht in der  Festspielstadt Wunsiedel
gleich neben der evangelischen Kirche.

Es wird heute als evangelisches Gemeindehaus genutzt
Wunsiedel - Jean-Paul-Brunnen Der Jean-Paul-Brunnen,
ein Zierbrunnen aus dem Jahr 1919,
befindet sich neben der evangelischen Kirche
in Wunsiedel vor seinem Geburtshaus.
Jean Paul Denkmal in der Festspielstadt Wunsiedel
Am gleichen Platz errichteten die Wunsiedler
ihm ein Denkmal. Auf einen Steinsockel
setzte man eine Bronze-Büste.

Ein weiterer Jean-Paul-Brunnen befindet sich im Fichtelsee-Moor. Als Quellfassung hat man eine Pyramide aus Granit gewählt, die im Jahr 1925, an seinem hundertsten Todestag, eingeweiht wurde.

Die Inschrift lautet:
Zum Gedächtnis an Jean Paul,
der gerne hier weilte
1825 - 1925


Das Quellwasser ist eisenhaltig und säuerlich. Es handelt sich also um einen Sauerbrunnen oder Säuerling. Auch enthält es das radioaktive Edelgas Radon, das verschiedentlich im Fichtelgebirge für Heilzwecke eingesetzt wird.
Jean-Paul-Brunnen im Fichtelsee-Moor

Jean Paul Denkmal in Schwarzenbach an der Saale Auch  Schwarzenbach an der Saale,
wo er nach seinem Aufenthalt in Joditz mehrmals wohnte,
erinnert mit einem Denkmal an den Dichter.

Es steht hinter dem Rathaus
im parkähnlich gestalteten Tal der Saale.
Das Wohnhaus von Jean Paul in Bayreuth Das Wohnhaus von Jean Paul in Bayreuth steht nahe der Bayreuther Stadthalle in der Friedrichstraße. Rollwenzels Haus, die Rollwenzelei in Bayreuth
Oft hielt er sich jedoch in der Rollwenzelei in Bayreuth auf, wo man heute noch seine  Einkehr- und Dichterstube besichtigen kann. Das ehemalige Gasthaus diente ihm als Fluchtpunkt, wenn er seine Ruhe haben wollte.
Die Rollwenzelei um 1820 auf einem koloriertem Stahlstich Links eine Chromo-Lithographie, die Jean Paul vor der Rollwenzelei zeigt, hergestellt von K. Müller nach einem Holzstich von Theobald von Oer, im Jahr 1863 in der Zeitschrift "Die Gartenlaube" in Leipzig veröffentlicht

Unten ein kolorierter Stahlstich von ca. 1820
Die Rollwenzelei um 1820 auf einem koloriertem Stahlstich

Das Grab von Jean Paul Richter in Bayreuth Jean Paul Richter starb
am 14. November 1825 in  Bayreuth.
Sein Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof,
wo auch Franz Liszt begraben liegt.
Das Grab des Dichters Jean Paul
Auch die Bayreuther setzten Jean Paul ein Denkmal.
Es steht in der Nähe seines Wohnhauses und der Stadthalle.
Denkmal für Jean Paul in Bayreuth
Bayreuth: Jean Paul Denkmal und Stadthalle
Ein schöner Wanderweg,
der  Jean Paul Weg,
führt quer durchs Fichtelgebirge
von Joditz im Norden bis
Bayreuth und  Sanspareil.

Unterwegs findet man auf Info-Tafeln
weitere Informationen über den Dichter
und die Landschaften.
Jean-Paul-Weg durchs Fichtelgebirge
Der Dichter Jean Paul in der Walhalla bei Regensburg Im Jahr 1973
wurde eine Büste
des Dichters Jean Paul
in die Ruhmeshalle
Walhalla
bei
 Regensburg
aufgenommen.
Die Walhalla an der Donau bei Regensburg
Jean-Paul-Gedenkstein vor Festspielbühne auf der Luisenburg Vor der Festspielbühne auf der Luisenburg haben die Wunsiedeler dem Dichter einen Gedenkstein in Form eines Buches gesetzt. Er ist mit Zitaten Jean Pauls versehen.

Die Bilder entstanden bei der Einweihung anlässlich des Theaterfestes am 10. Juni 2007.
Zitate von Jean Paul auf dem Gedenkstein

Auf dem Theresienstein bei Hof an der Saale
Gedenkstein auf dem Theresienstein
bei Hof an der Saale:
Jean Paul zum Gedächtnis
1763 - 1825 14.XI.1975
Auch in  Marktredwitz
hat man dem großen Sohn des Fichtelgebirges
einen Gedenkstein gesetzt.

Die Inschrift lautet:

Jean Paul
geb. 21. März 1763 in Wunsiedel
gest. 14. November 1825 in Bayreuth
gestiftet im Jean-Paul-Jahr 2013
zum Andenken an
Georg und Else Pollath
Jean-Paul-Gedenkstein in Marktredwitz

In seine damals sehr populären Geschichten hat Jean Paul auch philosophische Gedanken eingebaut. So sinniert er im Siebenkäs, Kapitel 47, ob es einen  Gott gibt. In einer Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab lässt er Jesus durch alle Welten gehen, die Sonnen, Milchstraßen und die Wüsten des Himmels durchsuchen, auch in den tiefsten Abgrund lässt er ihn schauen und »Vater, wo bist du?« rufen. Aber die unermessliche Welt starrte ihn nur mit einer leeren bodenlosen Augenhöhle an und auf die Erkenntnis »Er ist nicht!« folgt die Verzweiflung: »Niemand ist im All so sehr allein als ein Gottesleugner!« Bei Jean Paul ist das Ganze nur ein Albtraum, und nach dem Erwachen ruft der Schläfer erleichtert: »Meine Seele weinte vor Freude, daß sie wieder Gott anbeten konnte!« Vielleicht hat Friedrich Nietzsche auch den Siebenkäs gelesen und sein Gott ist tot daraus entwickelt.

Als Philosophen kann man Jean Paul natürlich nicht bezeichnen. Ins Zeitalter der Aufklärung hineingeboren, war ihm diese Strömung zu nüchtern und mit den Thesen der Metaphysik konnte er sich auch nicht so recht anfreunden. So kam ihm der Trend hin zur Literatur der Romantik bestimmt eher entgegen, um seine Geschichten zu veröffentlichen, die schnell sehr populär wurden. Begeistert war er jedoch von den Schriften des 25 Jahre jüngeren Arthur Schopenhauer. So empfahl er seiner Leserschaft dessen Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung. Damit erreichte er aber sicher das falsche Publikum. Wer seinen Hesperus oder Siebenkäs las, hatte wahrscheinlich kaum Lust, sich mit den erkenntnistheoretischen und oft düsteren philosophischen Schriften zu befassen, obwohl Schopenhauer im Vergleich zu Kant ja noch leicht und unterhaltsam zu lesen ist. Uns modernen Menschen des 21. Jahrhunderts fällt es inzwischen wiederum schwer, die Geschichten Jean Pauls mit Genuss zu lesen. So ändern sich eben die Zeiten. Schopenhauer kam mit der Zeit doch noch zu den ihm zustehenden Ehren und beeinflusste mit der Welt als Wille und Vorstellung wiederum Richard Wagner. So schließt sich der Kreis wieder in unserer Gegend, dem heutigen Oberfranken.

Auch die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, oft als "Gebrüder Grimm" bezeichnet, scheinen seine Romane gelesen zu haben. So kann man immer wieder lesen, dass in den Märchen der Grimms Inspirationen von Jean Paul zu finden sind. In wie weit das zutrifft oder erwiesen ist, kann ich nicht beurteilen. Die Sterntaler in dem Märchen, das ursprünglich Das arme Mädchen hieß, werden oft mit den sagenhaften Regenbogenschüsselchen gleichgesetzt. Dabei handelt es sich um keltische Münzen, die schüsselförmig gebogen sind und von den Kelten im Boden vergraben wurden. In der Unsichtbaren Loge beschreibt Jean Paul ein Waisenkind, das auf mystische Weise mit Talern überschüttet wird. Eine ähnliche Geschichte beschreibt aber auch schon Achim von Arnim. Bei ihm lässt die himmlische Mutter die Sterne als Taler vom Himmel fallen. Wer da von wem abgeschrieben hat, ob alles auf ältere Erzählungen zurückgeht oder gar Zufall ist, wer weiß?

Vor allem in  Labyrinthen hört man immer wieder das Jean-Paul-Zitat "Das Ziel muss man früher kennen als den Weg!". Es mag zwar schön sein, ein Ziel zu kennen und den Weg dorthin zu suchen, und schließlich auch zu finden, aber manchmal findet man auch ein Ziel auf einem Weg, das man garnicht gesucht hat! Man muss ein Ziel also nicht zwangsläufig kennen, um es zu finden. Gerade in der Welt der Wissenschaft wären viele Dinge nicht entdeckt worden, hätte man nur nach bestimmten Zielen gesucht. Leider weiß ich nicht, in welchem Zusammenhang Jean Paul diesen Satz gesagt hat. In dieser verallgemeinerten Form ist er wohl einfach falsch.

Auch das nahegelegene Böhmen bereiste Jean Paul. Mit einer unglücklich verheirateten und später geschiedenen Frau, Emilie von Berlepsch aus  Franzensbad, hatte er eine Romanze. Dabei kam er auch durch die Stadt Asch nahe Selb jenseits der Grenze und besuchte das Schloss Seeberg (Ostroh). Man sagt, Emilie von Berlepsch wäre eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Frauenrechtlerin gewesen. Sie betätigte sich ebenfalls schriftstellerisch und war eine Freundin von Johann Gottfried Herder. Die Franzensquelle in Franzensbad in Tschechien
Die Franzensquelle in Franzensbad in Tschechien


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 Heinrich Heine, Dichter, Journalist und Schriftsteller im 19. Jahrhundert

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