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Moosweiblein

Sagen und Legenden aus dem Fichtelgebirge

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Der Wald scheint ein gefährlicher Ort zu sein. Zumindest gewinnt man den Eindruck, wenn man alte Märchen liest. Da wird das kleine Rotkäppchen vom bösen Wolf gefressen und in dem Lied Ein Jäger längs dem Weiher ging (Lauf, Jäger, lauf!) erschrickt sogar ein Jäger vor den funkelnden Augen eines harmlosen Häschens.

Wer sich schon mal nachts ohne Licht im finsteren Wald aufgehalten hat und bewusst auf die Geräusche horchte, weiß, dass nicht alle schlafen, sondern viele gerade bei Dämmerung erwachen. Nach dem Nachtgesang im Walde von Franz Schubert ist die Nacht sogar im Walde daheim, schleicht sich bei Dämmerung allmählich heraus und hüllt alle ein. Alles Texte, die vor der Erfindung der Taschenlampe und der elektrischen Straßenbeleuchtung geschrieben wurden, und als noch gefährliche Tiere wie Wolf und Bär bei uns im Wald hausten. Aber unheimlich ist's auch heute noch, da draußen, ohne Licht und ganz allein …

Moosweiblein, Holzfraala im Fichtelgebirge
Moosweiblein
Zeichnung von Karl Alexander Wilke
Der Wald beheimatet aber auch gute Bewohner und Naturgeister. Feen und Elfen wohnen dort, und man kann mit ihnen spielen, aber manchmal werden sie auch böse, wenn man sie ärgert.

Zwerge graben hinter den sieben Bergen nach Bodenschätzen und einer weiblichen Form der Zwerge ähnelt das Moosweiblein, auch Holzweiblein oder Holzfraala genannt. Es ist arm dran und ist froh wenn es sich auf einem Baumstumpf mal ausruhen kann, in den ein Holzfäller drei Kreuze geschlagen hat, sicher vor dem Wilden Jäger und ähnlichen Kräften, die ihr Böses wollen. Ein Teil des alten Volksglaubens wurde von der Kirche toleriert, besonders wenn er als harmlos angesehen wurde. Und dass sie sich auf Kreuzen ungestört ausruhen kann, war ja ein christliches Zeichen. Anspruchsvolle Zeitgenossen merken an, dass die Kreuze nur wirken, wenn sie in den Stumpf geschlagen werden, während der Baum fällt, ein gefährliches Unterfangen. Bäume schlagen beim Fällen manchmal aus, nicht die Knospen im Frühjahr, sondern der Stamm nach hinten, wenn er abrutscht. Schon wieder Lebensgefahr! In den modernen Zeiten des Harvesters findet man kaum noch Kreuze in Baumstümpfen, weshalb die Moosweiblein immer seltener werden, aber im Fichtelgebirge gibt es sie natürlich noch.

Ich würde Ihnen gern das Foto eines Moosweibleins zeigen, aber trotz aller Bemühungen ist es mir noch nicht gelungen, eines zu fotografieren. Sie verschwinden immer so schnell wieder, wenn sie sehen, dass ich zum Fotoapparat greife. Als Ersatz hier mal eine Zeichnung von Karl Alexander Wilke (* 1879 in Leipzig, † 1954).

Sagen und Legenden

Im Fichtelgebirge gibt es die Sage von dem armen Kind, das keinen Vater mehr und eine kranke Mutter hatte. Eines Morgens ging das Mädchen ganz früh auf den Hengstberg bei Selb, um Beeren zu pflücken und Haselnüsse zu sammeln. Als sie ihren Krug schon halb voll hatte, sah sie ein kleines Weiblein, das mit goldenem Moos bekleidet war. Es bat um einige Beeren und Nüsse und das Mädchen gab ihm reichlich von seinen gesammelten Früchten ab. Das Weiblein aß sie und ging dann weiter. Als das Mädchen seinen Krug voll hatte, ging es nach Hause und wollte die Früchte ausschütten und ihrer Mutter geben. Da waren die Beeren und die Kerne der Nüsse aus Gold und ihre Not hatte ein Ende. Eine Geschichte, die etwas an das Grimm'sche Märchen von den Sterntalern erinnert.

Nach einer anderen Erzählung wohnte ein Holzweiblein bei einer Mühle im Ölschnitztal unterhalb von Alt-Berneck, das auf einem Hügel oberhalb des heutigen  Bad Berneck lag. In einer kalten Nacht klopfte das Weiblein an der Mühle und bat, dort übernachten zu dürfen. Sie fragte den Müller, ob er den großen Kater noch hätte. Dieser verneinte. Sie hatte jedoch den Bären gemeint, der noch immer in der Mühle hauste, und der noch da war. Dieser zerriss in der Nacht das Holzweiblein.

Ein Mann berichtet, dass er als Kind einmal beim Heueinfahren auf der Straßwiese am Weg zwischen Wülfersreuth und Bad Berneck mithalf. Das zu Haufen zusammengerechte Heu spießte der Vater mit der Heugabel auf den Wagen und oben verstaute es die Mutter. Die Großmutter rechte die Reste zusammen und sammelte sie in einem Korb, der ab und zu auf den Wagen entleert wurde. Auf der kurz abgemähten und sauber gerechten Wiese bemerkte der Junge zum Schluss noch ein Häufchen Heu und wollte es holen. Der Großvater hielt ihn aber zurück, und sagte dass dieses Häufchen Heu als Kopfkissen für das Waldfraala liegen bleibt, so dass es in der Nacht seinen Kopf darauf betten kann. Als nach ein paar Jahren die Großmutter senil war und eines Abends nicht nach Hause kam, konnte man sie vor der hereinbrechenden Dunkelheit nicht finden. Am nächsten Tag fand man sie auf einem Baumstumpf sitzend in der Nähe der Straßwiese. Da dachte der Junge an die Begebenheit und fand es gut, für eine umherirrende Frau ein Kopfkissen für die Nacht liegen zu lassen.

Ähnliche Geschichten und andere Sagen und Legenden hat Ludwig Zapf in seinem 1873 herausgegebenem Buch  Der Sagenkreis des Fichtelgebirges gesammelt, das in Neuauflage noch zu haben ist.

Von April 2014 bis Januar 2015 lebte im Wald bei Marktleuthen im Fichtelgebirge ein Mann unentdeckt im Wald, der als  Waldläufer des Fichtelgebirges bekannt wurde. Ihm ist bestimmt auch das Moosweiblein begegnet ( Legendenentstehung).





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